Die Wirklichkeit ist oft ganz anders
  Die Wirklichkeit      ist oft ganz anders

Aktuelles

Wir denken nicht nur an uns

Hilfsorganisation ADRA Deutschland e. V.

Pflegeplätze

Derzeit sind alle Pflegeplätze vergeben

Stellenausschreibung

Wir stellen ein:

Die gewünschten zusätzlichen Stellen konnten wieder besetzt werden.

für weitere Informationen klicken Sie auf Aktuelles

Alle Informationen

Aktuelles

Infos für Schwerbehinderte unter "Links für Pflegebedürftige!"

Die generalistische Ausbildung, ein Gewinn?

Umstellung auf Pflegegrade ab 01.01.2017 nach PSG II

Sie haben Fragen?

Wir helfen gerne weiter. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf:

Tel: +49 6272 912061

Fax:+49 6272 912062

E-Mail: info@altenpflege-heute.com

Oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Weit ist der Weg, der Weg ist so weit ...

Hoch über dem Fluss, südlich von Usti nad Labem (Aussig an der Elbe), im Böhmischen Erzgebirge, thront die Burg Schreckenstein über dem verträumten, kleinen Ort gleichen Namens. Viel hat sie gesehen in den Jahrhunderten ihres Bestehens. Die Herrscher kamen und gingen. Eine Generation nach der anderen siedelte zu ihren Füßen. Menschen, die nie unseren Weg kreuzten. Es war ein Ort, der so manche berühmte Persönlichkeit verzauberte und damit bis heute nicht in Vergessenheit geriet.

 

Ludwig Richter schuf ein Gemälde "Überfahrt am Schreckenstein", Caspar David Friedrich, der die Kreidefelsen auf Rügen so wunderbar in Szene setzte, sowie Ernst Gustav Doerell mit der bekannten „Wallfahrtskirche auf dem Ziegenberg“ bei Aussig an der Elbe, weilten hier. Richard Wagner diente der Schreckenstein als Vorlage für seine Oper "Tannhäuser" und selbst Alexander von Humboldt ließ es sich nicht nehmen, die alten Mauern zu besuchen.

 

Hier beginnt die Geschichte eines Menschen, den ich rund fünfzehn Jahre seines Lebens begleiten durfte. Hans K., dessen Weg ihn nach einem arbeitsreichen Leben in ein ebenso kleines Dorf weit im Westen Deutschlands, im Odenwalde führte, nach Heddesbach. Dieser Weg war weit, sehr weit und oftmals steinig und dornig. Der erste Weltkrieg war gerade eineinhalb Jahre zu Ende, als er am 30.03.1920 das Licht der Welt erblickte. Seine Großmutter wollte nichts von ihm wissen, weil ihr Sohn eine Tschechin geheiratet hatte. Wie konnte er, ein Waschmaschinenfabrikant sein Herz an eine Ausländerin verlieren. Seine Geburt zog sich über drei Tage hin und so blieb er wohl das einzige Kind seiner Eltern.

 

Wie viele seiner Generation hatte er gerade sein Studium abgeschlossen, er studierte Maschinenbau, als er zum Reichsarbeitsdienst einberufen wurde, weit weg von zu Hause. Er war 18 Jahre alt, als er miterleben musste, wie die tschechische Bevölkerung seiner Heimat vertrieben wurde. Vier Jahre später, gerade erst erwachsen geworden, sollte er in einem Krieg sein Leben einsetzen. Dass es ein Weltkrieg wurde, offenbarte sich erst sehr viel später.

 

Sein Einsatz im Frankreichfeldzug war von kurzer Dauer. Der zweite Weltkrieg nahm seinen Lauf. Frankreich war besiegt und seine Einheit wurde nach Russland verlegt. Durch einen glücklichen Zufall ging er auf dem Weg dorthin „verloren“ und landete statt in Russland, in Naumburg an der Saale. Seine Fähigkeiten wurden wohl an der „Heimatfront“ gebraucht, so dass er die Grauen des Krieges nicht mehr in ihrer ganzen Härte erleben musste.

 

Bei Kriegsende kam, was kommen musste. Die Tschechen zählten zu den Siegern und nun wurde, wer deutsch war im Sudetenland enteignet, die große Vertreibung begann. Die Vergangenheit hatte die Menschen dort eingeholt. Heute erinnern nur noch verwitterte Fassaden an die einstige Pracht der Gebäude. Mit nur zwei Taschen musste er mit seiner Familie die Heimat verlassen. Die erste Anlaufstelle war Riesa in Sachsen. Von dort verschlug es ihn immer weiter nach Westen, bis er schließlich im Raum Köln als Maschinenbauingenieur eine Anstellung fand.

 

Herr K. heiratete, doch seiner Ehe war kein Glück beschert. Sein Kind wurde tot geboren, die Ehe hielt nur 5 Jahre. Er blieb ein einsamer Mann, beladen mit seinem persönlichen Schicksal, gezeichnet von den Ereignissen des Krieges. Die Arbeit war sein Lebensinhalt und sein Glaube.

 

1972 starb sein Vater mit 88 Jahren, seine Mutter folgte mit 86 Jahren nur kurze Zeit später im Jahre 1973. Er blieb allein zurück. Freunde fand er dann in „seiner“ Gemeinde, der Adventgemeinde, zuerst in Köln und schließlich in Bergheim/Erft. Dort kreuzten sich unsere Wege zum ersten Mal. Häufig trafen wir uns bei gemeinsamen Veranstaltungen, Festen und Gottesdiensten oder auch im Familienkreis, bis wir uns Ende der 80 – er Jahre aus den Augen verloren.

 

Eine gemeinsame Bekannte nahm ihn in ihr Haus auf und sorgte für ihn. Im Jahre 2005 schließlich wurde sie selbst zum Pflegefall und konnte nicht weiter für ihn sorgen. Sie erinnerten sich, dass ich im Odenwald eine Pflegeeinrichtung eröffnet hatte, das Haus Maranatha und nahmen Kontakt mit mir auf. Auf Grund unserer Gemeinsamkeiten aus vergangener Zeit kamen wir überein, dass er seinen Lebensabend bei uns verbringen sollte. So fuhr ich ins Rheinland und er machte sich auf seine letzte große Reise in den Odenwald.

 

Da ich selbst häufig in die Tschechische Republik fuhr und ganz in der Nähe seiner Heimat Bekannte hatte, fanden sich immer wieder Anknüpfungspunkte zu seinem Leben. Oft sprachen wir von seiner Heimat. Das Angebot, noch einmal seine Heimat zu sehen, jetzt, da sie wieder zugänglich war, nahm er jedoch nicht wahr. Er wollte sie wohl in Erinnerung behalten, wie er sie von früher kannte. Bei unseren Liedernachmittagen freute er sich, wenn die Klänge der Heimat ertönten, das Böhmerwaldlied oder auch das Rübezahllied.

 

Bei seinem Einzug brachte er eine ganze Bibliothek mit. Schnell war ein Bücherregal aufgestellt, in dem er seine Schätze aufstellen konnte. Fast täglich nahm er das eine und andere Buch zur Hand, obwohl er schon stattliche 85 Jahre war. Seine Interessen waren immer noch vielfältig, von Fachbüchern über Maschinenbau, über naturwissenschaftliche Abhandlungen bis hin zur Literatur über die unterschiedlichsten Religionen. Manches mal war sein Schreibtisch voll gepackt mit mehreren aufgeschlagenen Büchern. So manches Buch war gespickt mit vielen Gedächtnisstützen.

 

Sechseinhalb Jahre seines Lebens war das Haus Maranatha sein Zuhause. Fast hätte er seine letzten zwischenmenschlichen Bindungen verloren. Es zeigte sich, dass ein Zuwarten bei wichtigen Entscheidungen gar manche Probleme aufwerfen kann. Als er nicht mehr in der Lage war, bedeutende Entscheidungen für sein Leben selbst zu treffen, regte ich eine gesetzliche Betreuung an. Der vom Gericht eingesetzte Betreuer verfolgte offensichtlich andere Ziele, als Herr K. Er wollte die letzten zwischenmenschlichen Bindungen, die Herr K. noch hatte, zerreißen. Erst mit den Bemühungen eines Anwaltes war es möglich, seine eigenen Interessen durchzusetzen. Er durfte bleiben.

 

Am 09.12.2011, dem Vorabend des dritten Adventwochenendes ist er mit fast 92 Jahren friedlich eingeschlafen. Bis zuletzt war es ihm vergönnt, an der Hausgemeinschaft Teil zu haben, ob bei Feierlichkeiten, zu Gottesdiensten, Spaziergängen oder Seniorentreffen des Ortes, auch wenn seine Aufenthalte im Bett immer häufiger und länger wurden. Sein weiter Weg war nun zu Ende.

 

Auch wenn Herr K. weite Strecken seines Lebens allein gestalten musste, war er doch nie ganz allein. Er hatte seinen Ruhepol in seinem Glauben gefunden. Seine Entscheidung, mit Jesus Christus zu leben, begleitete ihn, trug ihn, ließ ihn viel Schweres leichter tragen.

 

15 "Wenn ihr mich liebt, werdet ihr so leben, wie ich es euch gesagt habe.

16 Dann werde ich den Vater bitten, dass er euch an meiner Stelle einen Helfer gibt, der für immer bei euch bleibt.

17 Dies ist der Geist der Wahrheit. Die Welt kann ihn nicht aufnehmen, denn sie ist blind für ihn und erkennt ihn deshalb nicht. Aber ihr kennt ihn, denn er wird bei euch bleiben und in euch leben.

18 Nein, ich lasse euch nicht allein zurück. Ich komme wieder zu euch.

19 Schon bald werde ich nicht mehr auf dieser Welt sein, und niemand wird mich mehr sehen. Nur ihr, ihr werdet mich sehen. Und weil ich lebe, werdet auch ihr leben.

(Joh. 14,15-19)

 

Diese Worte Jesu waren ihm eine Stütze in seinem Erdenleben. Nein, er war nicht wirklich allein. Das Wort Jesu

 

"Ich lebe und ihr sollt auch leben" (Joh. 14,19)

 

war Trost und Hoffnung zugleich für sein Leben, so dass er im Frieden einschlafen konnte. Wir wissen durch das Zeugnis Jesu und der Apostel, dass es einen neuen Anfang geben wird für ein Leben ohne Angst, Not, Elend, Flucht und Einsamkeit.



Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Haus Maranatha

Diese Homepage wurde mit 1&1 MyWebsite erstellt.